Wer an steile Straßenböschungen denkt, hat meist nicht sofort seltene und geschützte Reptilien vor Augen. Tatsächlich können solche Bereiche aber wertvolle Lebensräume sein.
Im Zuge einer Hangsicherungsmaßnahme oberhalb einer Straßenböschung mussten daher die streng geschützte Schlingnatter (Coronella austriaca) und die Zauneidechse (Lacerta agilis) berücksichtigt werden. Dafür wurden die Böschungen im Rahmen eines Artenschutzfachbeitrags gezielt auf Vorkommen beider Arten untersucht.
Mithilfe von sog. „künstlichen Verstecken“ konnten wir feststellen, ob Schlingnattern die Böschungen als Lebensraum nutzen. Die Bleche werden von den Reptilien gerne als Versteck und Sonnenplatz genutzt und erleichtern den Nachweis der Tiere.

Beide Reptilienarten sind auf sonnige, strukturreiche Lebensräume angewiesen. Damit sie trotz der Baumaßnahme weiterhin geeignete Rückzugs-, Jagd- und Fortpflanzungshabitate vorfinden, wurden bereits im Vorfeld passende Ersatzhabitate angelegt. Dazu dienen strukturreiche Bereiche aus Steinen, Totholz und Baumstämmen. Diese bieten vielfältige Versteckmöglichkeiten, gut besonnte Aufwärmplätze sowie geschützte Bereiche für die Überwinterung.


Ersatzhabitat für die Schlingnatter. Vor Erosion schützen unterhalb angebrachte Holzbalken.
Spannend wird es immer nach der Fertigstellung. Werden die neuen Strukturen tatsächlich angenommen? In diesem Fall ließ die Antwort nicht lange auf sich warten: Im Rahmen der Umweltbaubegleitung konnten bereits Zauneidechsen auf den neu angelegten Habitaten nachgewiesen werden. Ein Nachweis der Schlingnatter steht bislang zwar noch aus, dies ist jedoch nicht ungewöhnlich. Die Art ist aufgrund ihrer Lebensweise selbst in besiedelten Habitaten nur schwer nachzuweisen. Die neu geschaffenen Strukturen bieten ihr jedoch geeignete Lebensraumbedingungen, sodass gute Voraussetzungen für eine aktuelle und dauerhafte Besiedlung bestehen.


